Einer für Alle und Alle für Einen? Passt bei Radausfahrten schon - nur nicht bei Gruppenstürzen. Ein logisches Gerichtsurteil:

Fotograf: querschnitt. Quelle: www.pixelio.de
Fotograf: querschnitt. Quelle: www.pixelio.de

Manchmal sind Gerichtsurteile doch der Realität nahe.

Das Amtsgericht (AG) Nordhorn hat mit Urteil vom 7. Mai 2015 entschieden (3 C 219/15), dass, ich will es mal deutsch ausdrücken, jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.

 

Natürlich drückt das Gericht dies fachlich korrekt aus:

"...der Vorausfahrende eines gemeinsamen Rennradtrainings nicht haftet, wenn es im Pulk nach einem Sturz des Vordermanns zu einem Auffahrunfall kommt."

 

Was war geschehen: Gemeinsames Training, Windschattenfahren mit etwa 1,5 Meter Abstand zum Vordermann, dieser stürzte und der Nachfolgende natürlich auch. Zum Glück blieben alle gesund, aber das Rad des Hintermanns ist im Eimer. Kostenpunkt: 1700 €.

 

Der Privathaftpflichtversicherer des Beklagten lehnte die Schadenregulierung ab. Daher landete der Fall vor dem AG Nordhorn, welches die Klage des Rennradfahrers als unbegründet zurückwies.

 

Aus richterlicher Sicht war die Unfallursache ein Fahrfehler mit anschließendem Sturz des Vorausfahrenden, der von einem Vereinskollegen nun wegen des kaputten Rades belangt wurde. Die Richter aber sahen das so:

 

"...Alle Beteiligten begaben sich durch die Teilnahme an einer Trainingsfahrt mit sportlichem Charakter bewusst in eine Situation mit drohender Eigengefährdung. Durch die Missachtung eines hinreichenden Sicherheitsabstandes hätten sie sich stillschweigend über die Regeln der Straßenverkehrsordnung hinweggesetzt..."

 

Kurz gesagt: Damit war zu rechnen. Der Kläger hat deshalb die Folgen seines Unfalls selbst zu tragen. Er hatte Glück, dass in diesem Fall nur das Rad beschädigt war. Ein steifes Bein oder Schlimmeres hätte er seiner Unfallversicherung melden müssen.

 

Aber nun raus aufs Rad, die Sonne scheint!

 

Viel Spaß dabei wünscht

 

Olaf

 

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Verschuldet ein ausländischer Fahrer einen Unfall, sollte man sofort dessen Versicherung anrufen. In der Regel hat jeder Fahrzeugführer eine Karte seiner Versicherung dabei. Gerade bei Auslandsschäden ist die sofortige Meldung des Schadens wichtig, auch, weil der Unfallverursacher als Übersetzer zur Verfügung steht. Sinnvoll: Einen europäischen Unfallbericht ausfüllen (gibt´s im Internet - also bitte im Auto deponieren) und den Führerschein und/oder Personalausweis des Unfallgegners fotografieren (um Schreibfehler bei Namen und Adresse zu vermeiden).

 

Zwei Varianten, die Schadensabwicklung zu beschleunigen: Reden Sie mit Ihrer eigenen Vollkaskoversicherung. Im Normalfall übernehmen diese den Schaden an Ihrem Fahrzeug und rechnen die Schadenssumme mit dem ausländischen Versicherer ab. Achtung: Einen eventuellen Selbstbehalt müssen Sie natürlich vorschießen und durch den Schaden werden Sie im Folgejahr in Ihrer KFZ-Versicherung hochgestuft! Nach Erstattung der Schadensumme durch den ausländischen Versicherer erhalten Sie Ihren ursprünglichen Rabatt wieder zurück.

 

Die zweite Möglichkeit: Sie wenden sich ans Deutsche Büro Grüne Karte e.V. in Berlin. Das Büro wird Ihnen einen Anprechpartner nennen, in der Regel einen Schadensregulierer, der die Abwicklung Ihres Schadens mit dem jeweiligen ausländischen Versicherer übernimmt.

 

 

 

Gute Fahrt wünscht

 

 

 

Olaf

 

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